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Das Floriani Prinzip

Das Floriani Prinzip
...nach einem Rezept von meiner rumänischen Großmutter

Heiliger Sankt Florian
Verschon’ vorm Brand mein Haus!
Zünd’ lieber das vom Nachbarn an
Und meins lass lieber aus.«


So lautet das oft zitierte und auch immer wieder angewendete Lebensprinzip vieler unserer Zeitgenossen.


Dass man dieses Prinzip - wie eine gestürzte Apfeltart - auch umkehren kann, hat mich besonders überrascht und im wahrsten Sinn des Wortes betroffen gemacht. "Proaktiv" wie ein lieber Kollege in Kroatien immer zu sagen pflegte - wird es jetzt von innovativen Zeitgenossen eingesetzt.

Dieses Prinzip, festgehalten in einem unrythmischen Vierzeiler impliziert eine wertbeständige, egoistische und feste Lebenseinstellung.
Wie sie offensichtlich eine - nach italienischen Quellen - rumänische Räuberbande hat, die zwischen den Autobahnraststätten Latisana, Triest - Duino und Udine Süd ihrer täglichen Arbeit nachgeht.

Unbedarften Autoreisenden, denen wegen drohender Übermüdung die Augen zufallen, wird während der Rast in einer der Autogrill (-Hendl) Stationen, dezent aber wirksam, der rechte hintere Reifen angestochen. Nur leicht.
Damit das Opfer noch auf die Autobahn fahren kann und dort in einer der schmalen Pannenbuchten notlanden darf.

Haben sie schon jemals unter ständiger Lebensgefahr, einen Meter neben dem Fließverkehr einer italienischen Autobahn, ihren stolzen, 780 Liter umfassenden, mit Wein, Nudeln, Prosecco, Grappa und sonstigen Mitbringseln, voll gestopften Kofferraum, ausgeräumt? Und die Sachen wie im Pennymarkt neben sich aufgestapelt? ...nur um an das Pannendreieck zu gelangen?

Üben sie erst gar nicht. Vielleicht werden sie schneller dazu gezwungen als ihnen lieb ist.

Wenn sie also alles das gemacht haben, natürlich dabei die vorschriftsmäßige Pannenjacke getragen haben (ja - sie gibt es auch in XXL), dann auch noch festgestellt haben, dass sie anstatt eines echten Reservereifens, lediglich eine Dichtungsmasse in Händen halten, die sie auch noch mit einem mitgelieferten Kompressor in den Reifen zu spritzen haben, dann beginnt das wahre Abenteuer.

Grauer VW Passat. Zwei seriöse Herren steigen aus. Einer bedauert unser Unglück.
Was tut der zweite ? Betet er für uns?
Ersterer rät uns auch noch in schönstem Englisch, das Pannendreieck gut sichtbar aufzustellen. Wegen der "security", of course ! "

Er fragt lediglich nach der Abfahrt nach Mestre. Natürlich ist er falsch gefahren (der Dumme!); man hilft ihm weil man sich auskennt. Arrivederci und Ciao!
Schön, das es so mitfühlende Menschen gibt.

Frau ist nervös. Wäre ich auch, wenn ich mit mir verheiratet wäre.
Das mit dem Dichtungsmittel und dem Kompressor funktioniert nicht.
Wenn man anständig Druck macht, spritzt das Zeug wieder anständig aus den vier Einstichen heraus.

Auch gut; AUDI hat eine Mobilitätshilfe. Weltweit. Die Nummer steht auf einer Karte und diese Karte steckt in meiner Tasche.
Uns wird schnell bewusst, dass das Wort “Mobilitätshilfe” vielfältig verwendet werden kann.
Auch unsere Taschen haben es für sich in Anspruch genommen und sind bereits unterwegs. Nach Österreich? Süditalien? Oder Rumänien?

Und mit ihnen Alles! Außer 10 Euro und einem Mobiltelefon.
Glauben sie mir es fällt mir leichter zu beschreiben, was uns geblieben ist. Nicht aus emotionalem Grund. Sondern weil ich heute noch eine Verabredung habe und mir die Zeit knapp wird.

Die Waren für den "Penny Markt" und das Gebäck - haben wir natürlich noch.
Ob jedoch fünf Kisten Pinot Nero Jahrgang 2002 von Antinori, als Legitimation zur Einreise nach Kroatien genügt hätten, wollte ich erst gar nicht ausprobieren.

Dankbar lassen wir uns von einem lieben Freund nach Klagenfurt heimholen und beginnen am nächsten Morgen mit der Wiederbeschaffung der Nachweise, dass wir ordentliche Mitglieder dieser ordentlichen Gesellschaft sind.

Herzlich ihr ks


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