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Das südliche Waldviertel

Tradition, Geschichte, Kulinarik

Der Chefredakteur meinte im Frühjahr:

"Wir sollten einmal etwas über das Waldviertel bringen.
Interessante Orte in denen altes Handwerk wieder neu entdeckt wird,
wo jüngste Zeitgeschichte auf Steinzeit trifft
und Mythen und Geschichten sichtbar werden."

Gesagt, getan, gebucht.

Bei der Hinfahrt, über Krems kommend fuhr ich bis Klein-Pöchlarn und zweigte dann nach Artstetten ab. Artstetten? Da war doch was! 2014 wurde im Schloß der Ermordung von Erzherzog Franz-Ferdinand und seiner Gattin Sophie vor 100 Jahren gedacht. Das Museum im Schloß, zeigt das Leben des Erzherzogs und seiner Familie. In der Familiengruft liegen neben den Ermordeten auch deren Nachkommen. Die derzeitige Besitzerin und Urenkelin, Anita von Hohenberg und ihre Kinder sorgen dafür, dass die umfangreiche Anlage auch für die Besucher attraktiv bleibt. Quasi Geschichte hautnah.



In der Wirtshausbrauerei Haselböck eingetroffen, durfte ich schon bei der Ankunft eines der handwerklich sehr gut gemachten Hausbiere verkosten. Schwester, Bruder, Schoko-Bock, Oktoberhaserl, Pale Ale No1,Herbstbier,Festbock,Pils, Helles,Böhmisches und Caramel stehen auf der Bierkarte. Gerne auch zum Mitnehmen.

Der Hausherr Paul braut, die Hausherrin Waltraud kocht. Beide kümmern sich auch sehr intensiv um die Gäste. Dass ein Brauereiwirtshaus auch eine entsprechend gute Küche hat, darf erwartet werden. Alles handgemacht und aus der Region. Die Mohnnudeln, der Schweinsbraten, die Kartoffelknödel, der gebackene Karpfen aus den Waldvierter Teichen. Der Schnaps wird geliefert. Von einem anderen Handwerker der Region. Hanns Krenn’s Edelbrände sind weit über die Grenzen des Waldviertels hinaus berühmt. In seiner Brennerei liegen unzählige Medaillen als Beweis für für die hohe Qualität seiner Produkte.



Eine Frucht hat es Hanns Krenn besonders angetan. Das Kriecherl. Eine kleine pflaumenartige, helle Frucht, die es in größeren Mengen nur noch im Waldviertel gibt. Kriecherlmarmelade ist ein weiters Produkt, das typisch für das Viertel über der Donau ist. Was den Wachauern ihre Marille, ist den Waldviertlern ihre Kriecherlfrucht.

Nicht immer verlangt der Gast im Haselbräu nach Schnaps zur Verdauung. Öfter noch wird Whisky nachgefragt. Hier beim Wirt’n im südlichen Waldviertel, umgeben von Roggenfeldern gibt es Whisky aus einheimischer Produktion. Familie Haider brennt seit über 20 Jahren aus Roggen, Whisky. Der Ruf des Whisky hat längst schon die Grenzen des Waldviertels und Österreichs überschritten.Verführerisch, und die Produkte müssen keinen Vergleich mit den Bränden aus Schottland, scheuen.

Wem soviel Kulinarik widerfährt, dem darf etwas Kultur zugemutet werden. In unserem Fall ist es die Burg Pöggstall, wo vom 1.April bis 12.November 2017 die Niederösterreichische Landesausstellung unter dem Thema "Alles was Recht ist" zu sehen ist. Der Gastgeber, eine Wasserburg aus dem 13.Jahrhundert mit wechselvoller Geschichte, steht heute im Eigentum der Gemeinde Pöggstall. Die Rechtsprechung und eine der spannendsten Fragen unserer Zeit: "Wie gestalten wir unsere Gesellschaft?" sind Mittelpunkt der Landesausstellung in NÖ 2017.
Genug gestanden, gestaunt, gegessen? Wen es jetzt zur Bewegung drängt, der kann Wandern oder Radfahren. Ihr Quatiergeber wird ihnen dabei gerne weiterhelfen.



Nicht nur die Menschen, der Roggen, Hopfen & Malz, Karpfen und Erdäpfel führten mich ins Waldviertel. Vor allem der Mohn war es, auf den ich es abgesehen hatte. Im Mohndorf Armschlag wurde ich fündig und alles was es zum Thema "Waldviertler Mohn" zu sagen und zu verkosten gibt, findet man an diesem Ort. Graumohn, Weißmohn oder heller Mohn, Mohnöl und Pflegeprodukte finden sich in den Hofläden des Ortes. Wer dann genug erfahren hat und sich ausreichend mit Mohn eingedeckt, den Waldvierter Kümmel in den Einkaufskorb gelegt hat, der darf jetzt beim Mohnwirt Neuwiesinger seinen Appetit stillen. Zwei Spezialitäten möchte ich hervorheben. Die handgewutzelten Mohnnudeln und der Weißmohnauflauf mit Kirschsauce.
Wer mehr erfahren möchte sollte unbedingt ein "Waldviertler Häferlgucker" werden. Siehe dazu auch unter Waldviertler Tipps.



Ich bin beeindruckt und fahre nach 2 Tagen Waldviertel, ausgestattet mit reichlich Mohn (den man auch einfrieren kann), Whisky, Schnaps, und vielen  Eindrücken nachhause. Was mich wirklich fasziniert hat an diesem Kurztrip ist die Organsiation. Die Buchung erfolgt zentral, das Urlaubspaket ist individuell. Eine Region vermarktet sich als Einheit und jeder profitiert. Der Gastwirt und Vermieter, der Brauer, der Brenner, der Handwerker, die Mohnbauern, die Ölmühlen, die Schlösserverwaltungen, die Klöster und die Menschen in der Region. Die haben Arbeit mit uns und diese tun sie gerne. Vielleicht sollte sich so manche Region in Österreich an den Waldviertlern ein Beispiel nehmen. Schöne Seen herzuzeigen ist kein nachhaltiges Konzept.

Klaus Schauer, ks@kuchlnews.at

Link: Waldviertel, das Urlaubsportal
Link: Advent im Waldviertel
Link: Der Waldviertler Häferlgucker
Link: Hans Krenns Edelbrände
Link: Österreichs 1.Whiskydestillerie
Link: Mohndorf Armschlag
Link: Wirtshausbrauerei Haselböck
Link: Niederösterreichische Landesausstellung 2017
Link: Schloß Artstetten
Link: Das Waldviertel in Bildern


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