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Ein Ausflug nach Zagreb

Auf der Suche nach kulinarischem Glück

Wilder Spargel aus Slawonien

Zagreb- Kroatiens Hauptstadt, liegt nur ein wenig mehr als zwei Stunden vor unserer Kärntner Haustüre. Ewiger Begleiter der Mitteleuropäischen Kultur, katholisch geprägt und durchmischt mit allem, was der Balkan zwischen Sofia, Niš, Belgrad und Sarajevo an Kulinarischem auf zu bieten hat. Gerne hören es die Kroatien nicht, doch das Balkanische ist durchaus präsent. Vergleiche auch Wien Mexikoplatz - dort, so sagt der Volksmund beginnt der eigentliche Balkan.Auch wenn in unserer Bundeshauptstadt vieles an das südöstliche Völkergemisch erinnert und uns sympathisch begegnet, den Markt in Zagreb sollte man erlebt haben. Es  ist die Vielfalt der Produkte die dort ,Vorort, je nach Saison präsentiert werden.

Wenn der p.t. Besucher mit seiner Besucherin vom Hauptplatz, dem Trg Ban Jelaćič kommend, in Richtung Dolac - so heißt der Markt in der Stadtmitte - lustwandelt, kommt er zuerst zum Blumenmarkt. Hier verkaufen Privatgartenbesitzer und Blumenhändler wundervolle Gebinde und Blumensträuße, die ein Spiegel der Jahreszeit sind. Um 5 HK (kroatische Kuna) bekommt der Besucher einen wohlduftenden Wiesenblumenstrauss für seine Begleiterin.

Wenn sie jetzt noch nicht gefrühstückt haben, ist der nächste Weg hinauf zum Dolac, auf die mittlere Ebene. Am Ostende gibt es BUREK. Jenes strudelähnliche, warm genossene Fast Food des Balkan, das es „za sirom“, also mit Topfen, „za mjesom“ mit Fleisch oder „za plitva e spinat“mit Mangold und oder Spinat gibt. Dazu trinkt der versierte Burekfrühstücker „tekući joghurt“. Trinkjoghurt. Oder Bier. Aber es sollte ein einheimisches sein. Also „domaći“ wenn’s leicht geht.

Je nach Jahreszeit bietet der Grünmarkt im Freien alles was die fruchtbaren Ebenen in Slawonien und Dalmatien wachsen lassen. Kräftige Fleischtomaten aus dem Delta der Neretva, Erdbeeren aus Slawonski Brod, Salat und Gurken aus Velika Gorica. Kartoffel aus Vukovar. Das meiste Gemüse stammt von Kleingärtnern und Bauern. Das bedeutet, dass die internationalen Konzerne mit Ihren Dünge- und Giftmitteln noch nicht wirklich Fuß fassen konnten. Man kann, wenn man möchte, von Bio ähnlicher Qualität der Waren sprechen.

Im „Bauch“ des Marktes, in den Hallen, bieten Fleischhauer und Händler ihre Waren an. Hier findet man viele Innereien und Geräuchertes. ZB. Kutteln, Leber, Nieren, geräucherte Schweinefüße- und Köpfe. In einer eigenen Halle findet man die Bäuerinnen aus Slawonien mit ihren handgemachten, hauseigenen Topfen- und Käsesorten und dem hauseigenen Vrhnje, einer am ehesten mit den deutschen Schmant zu vergleichende Köstlichkeit, die man zum kochen oder zum löffeln verwenden kann. Wer Lust auf mehr hat, kauft sich bei einem den vielen Teighändler den fertigen Strukliteig und macht sich zu hause einen warmen Strukli mit Topfen. das Rezept finden sie im hier:
Das Rezept für Strukli finden sie auf der Website www.kuchlnes.at oder unter http://bit.ly/2qQSvRb

Ich empfehle möglichst früh auf den Markt zu fahren. So kommt man noch in den Genuss eines voll gedeckten Tisches in der Fischhalle (so ferne nicht die Bura den Fischern die Ernte „verhagelt“). Vom Angler bis zum Zander, von der Venusmuschel bis zu Meeresschnecken, vom Taschenkrebs bis zu den berühmten Langostinos findet der Kenner hier alles was das Herz begehrt.
Auch kleine Sardinen und Gavuni kann man hier kiloweiße kaufen. Doch ist es ratsam, diese Meeresbewohner, gut frittiert mit einem Glas Grašenina aus Slawonien, am besten vom Krauthaker, vor Ort zu verspeisen. Neben der Fischhalle. Im winzig kleinen Cafe Amfora.
Essen sie allerdings nicht zu viel von den Köstlichkeiten, denn auf der Heimreise erwartet sie noch eine unübertroffene Spezialität.
Da sie sicher mit einem digitalen oder analogen (Starssenkarte) Navi unterwegs sind, geben sie jetzt als Zieladresse Franje Tudmana 21, 10437 Bestovje, Croatia ein. Im Westen von Zagreb, in der Nähe der Autobahnauffahrt Richtung Lubjiana, erwarten sie die besten Čevapćići und Razniči zwischen Nordkap und Tafelberg. Handgewuzelt, klein und luftig, gehaltvoll gewürzt und auf dem Holzkohlengrill gebrutzelt.
Serviert mit groben weißen Zwiebel und am Grill getoasteten Weißbrotscheiben, möchten Mann und Frau nicht mehr aufhören zu träumen. Wer nicht ohne kann, der kauft sich vorausschauend in einem Lebensmittelladen ein mildes oder scharfes Glas Ajvar, der Marke Podravka und bringt es zu „Kod Marka“ so heißt das kleine Gasthaus mit. Ja, sie dürfen. Die Gastwirtin ist das schon gewohnt.
Die kleinen Fleischspießchen vom Schwein, Razniči genannt, zergehen fast im Mund. Dazu trinkt man einheimisches Bier der Marke Karlovačko oder Ozujsko Pivo.

So gestärkt treten sie die Heimfahrt an und plagt sie das Gewissen, dass sie wieder einmal nur als Genussmensch und nicht als an Kultur interessierter Mitteleuropäer unterwegs waren, so trösten sie sich mit der ehrlichen Absicht wieder zu kommen. Dann schauen sie sich den schönsten Friedhof Europas an, besichtigen das Kaptol, Zagrebs katholisches Wahrzeichen, fahren mit der Zahnradbahn hinauf in die Altstadt und bummeln in alten Gässchen mit deutscher Strassenbezeichnung und Gaslaternen als Beleuchtung.Romantik pur.

Viel Vergnügen wünscht ihnen

Klaus Schauer
klaus.schauer@kuchlnews.at


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